Was fehlt, wenn niemand danach sucht?

Warum Nährstoffdiagnostik in der Gesundheitsversorgung eine größere Rolle spielen könnte

Wann wurde bei dir das letzte Mal nicht nur gefragt, ob du krank bist, sondern ob dein Stoffwechsel tatsächlich optimal mit Nährstoffen versorgt ist?

Und damit meine ich nicht nur ein kleines Blutbild beim Hausarzt.

Ich meine eine gezielte Betrachtung verschiedener Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und weiterer Stoffwechselparameter – abhängig von Lebensstil, Ernährung, Belastung, Beschwerden und individuellen Faktoren.

Genau hier beginnt ein Bereich, über den meiner Meinung nach viel zu wenig gesprochen wird.

Was wird eigentlich standardmäßig untersucht?

Die klassische medizinische Diagnostik ist selbstverständlich enorm wichtig. Blutbild, Blutzucker, Blutfette, Leber- und Nierenwerte oder Entzündungsmarker können wichtige Informationen liefern.

Aber die Frage ist:

Reicht das aus, um den individuellen Nährstoff- und Stoffwechselstatus eines Menschen umfassend zu beurteilen?

In der täglichen medizinischen Versorgung werden Mikronährstoffe in der Regel nicht pauschal und umfassend bei jedem Menschen bestimmt. Untersuchungen erfolgen vielmehr gezielt, wenn aufgrund von Beschwerden, Erkrankungen oder bestimmten Risikofaktoren ein entsprechender Verdacht besteht.

Auch die österreichischen Ausbildungsordnungen für Ärztinnen und Ärzte bilden selbstverständlich umfangreiche medizinische Diagnostik ab. Eine umfassende „funktionelle“ Mikronährstoffdiagnostik als eigenständiges, routinemäßiges Versorgungskonzept ist daraus allerdings nicht abzuleiten.

Funktionelle Labordiagnostik setzt eine andere Frage

Der entscheidende Unterschied liegt für mich weniger im Labor selbst als in der Fragestellung.

Die klassische Medizin fragt häufig:

Liegt ein behandlungsbedürftiger Mangel oder eine Erkrankung vor?

Eine funktionelle Betrachtung stellt zusätzlich Fragen wie:

Wo steht der Mensch stoffwechselphysiologisch?
Gibt es Hinweise auf eine unzureichende Versorgung?
Welche Faktoren könnten zusammenwirken?
Und welche Veränderungen lassen sich nach einer gezielten Intervention beobachten?

Dabei ist allerdings wichtig: Nicht jeder Laborwert außerhalb eines persönlichen „Optimalbereichs“ bedeutet automatisch einen Mangel oder eine behandlungsbedürftige Situation.

Gerade bei Mikronährstoffen sind Messmethode, Referenzbereich, Entzündungsstatus, Ernährung, Medikamente und die individuelle Situation entscheidend. Die europäische Fachgesellschaft ESPEN weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass die Beurteilung des Mikronährstoffstatus differenziert erfolgen muss und dass für verschiedene Mikronährstoffe unterschiedliche diagnostische und therapeutische Aspekte berücksichtigt werden müssen.

Warum mich das Thema beschäftigt

Schauen wir auf Österreich.

2025 entfielen laut Statistik Austria 33,4 % aller Sterbefälle auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Krebs war mit rund 21.914 Todesfällen ebenfalls eine der häufigsten Todesursachengruppen.

Auch 2024 gingen in Österreich 34,3 % der Sterbefälle auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 24,3 % auf Krebszurück.

Diese Zahlen bedeuten natürlich nicht, dass Mikronährstoffmängel die Ursache dieser Erkrankungen sind.

Und genau diese Unterscheidung ist mir wichtig.

Sie zeigen aber, wie groß die Bedeutung von Prävention, Lebensstil, Ernährung, Bewegung und einer möglichst guten gesundheitlichen Versorgung ist.

Mein Ansatz: erst messen, dann entscheiden

Ich halte deshalb wenig von einem wahllosen:

„Nimm einfach noch Vitamin D, Magnesium, Zink und ein Multivitamin.“

Genauso wenig halte ich davon, Menschen mit langen Supplement-Listen zu versorgen, ohne zu wissen, was sie tatsächlich benötigen.

Mein Ansatz ist ein anderer:

Messen → verstehen → individuell handeln → kontrollieren.

Wenn Laborwerte Hinweise auf eine Unterversorgung liefern, sollte die weitere Vorgehensweise individuell betrachtet werden.

Dabei kann – abhängig von Befund und medizinischer Situation – auch eine gezielte Supplementierung sinnvoll sein.

Aber „mehr“ ist nicht automatisch „besser“.

Denn auch Mikronährstoffe können bei zu hoher Dosierung unerwünschte Wirkungen haben. Deshalb sollte eine hochdosierte Nährstofftherapie nicht nach dem Gießkannenprinzip erfolgen, sondern fachlich begleitet und – wo erforderlich – ärztlich abgeklärt werden.

Was ich mir vom Gesundheitssystem wünschen würde

Ich wünsche mir keine Konkurrenz zwischen Schulmedizin und funktioneller Medizin.

Ich wünsche mir eine Ergänzung.

Denn natürlich brauchen wir die klassische Medizin. Wir brauchen Diagnostik, Medikamente, Operationen, Notfallmedizin und Fachärzte.

Aber wir sollten gleichzeitig stärker darüber sprechen, was wir tun können, bevor aus ersten Veränderungen eine manifeste Erkrankung wird.

Dazu gehören für mich:

  • eine gute Ernährung
  • regelmäßige Bewegung und Krafttraining
  • ausreichend Schlaf und Regeneration
  • Stressmanagement
  • ein gesunder Lebensstil
  • und – wenn sinnvoll – eine gezielte Analyse relevanter Stoffwechsel- und Nährstoffparameter

Die Wissenschaft beschäftigt sich längst intensiv mit Mikronährstoffen. Gleichzeitig ist die Evidenz für viele therapeutische Anwendungen unterschiedlich stark. Die ESPEN-Leitlinie beispielsweise betont sowohl die Bedeutung von Mikronährstoffen als auch die teilweise begrenzte Evidenzlage für bestimmte Interventionen.

Gesundheit beginnt für mich nicht erst bei der Diagnose

Genau hier liegt mein persönlicher Zugang als Trainer und Gesundheitscoach.

Ich möchte Menschen nicht erst dann begleiten, wenn bereits eine Diagnose auf dem Tisch liegt.

Ich möchte früher ansetzen.

Bei der Frage:

Wie funktioniert mein Körper eigentlich – und was kann ich tun, damit er möglichst lange gut funktioniert?

Nährstoffe sind dabei nur ein Baustein.

Sie ersetzen weder Bewegung noch eine ausgewogene Ernährung, Schlaf, Regeneration oder eine notwendige medizinische Behandlung.

Aber sie können – richtig eingesetzt und individuell betrachtet – ein weiterer Baustein eines ganzheitlichen Gesundheitskonzepts sein.

Und deshalb finde ich es wichtig, darüber zu sprechen.

Nicht nach dem Motto:

„Nährstoffe lösen alle Probleme.“

Sondern vielmehr:

„Wenn wir wissen wollen, was im Körper passiert, sollten wir manchmal genauer hinschauen.“

Das ist für mich der eigentliche Gedanke hinter funktioneller Labordiagnostik.

Nicht blind supplementieren.
Nicht einfach vermuten.
Sondern messen, verstehen und individuell handeln.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Insbesondere hochdosierte Nährstoffsupplementierungen sollten individuell abgeklärt und fachlich begleitet werden.